Bleibt alles anders

Bleibt alles anders
21 Dez 2020

Das Jahr 2020 war für Wirtschaft und Gesellschaft eines der schwierigsten. Wie hat die Pandemie die Arbeitswelt verändert, was bleibt? Und inwieweit kann Digitalisierung der Schlüssel zu einer besseren Zukunft sein? Ein Interview mit Georg Lindsberger (CEO XiTrust) und Andreas Koller (CEO XiTrust Germany).


Wie beurteilen Sie aus Sicht von XiTrust die Folgen der Pandemie?

Georg Lindsberger: Die Herausforderungen für Unternehmen waren vielfältig. Dies nicht nur in existenziell ökonomischer Hinsicht, sondern vor allem, was die Weiterführung des operativen Betriebs angeht. Wie also lässt sich unter radikal veränderten Rahmenbedingungen die Handlungsfähigkeit aufrechterhalten? Darauf mussten Antworten gefunden werden. Es hat sich gezeigt, dass nur besonnene Entscheidungen zum Ziel geführt haben. Für die braucht man Zeit. Zeit, die man wiederum nur hat, wenn man sich darauf verlassen kann, dass Projekte anschließend schnell umgesetzt werden. Wie etwa die Implementierung elektronischer Signaturen in Unternehmensprozesse.

Andreas Koller: Es hat zunächst eine große Verunsicherung gegeben, verbunden mit mehr oder weniger diffusen Ängsten. Zumal für viele Unternehmen ja noch nicht klar war, welche staatlichen Hilfsmittel bereitgestellt würden oder ob vorab geplante Investitionen besser gestoppt werden sollten. In dieser Situation ist die Rückbesinnung auf das, was man hat, was ein Unternehmen auszeichnet, äußerst hilfreich.


Wie ist XiTrust mit der Situation umgegangen?

Andreas Koller: Bei XiTrust selbst wussten wir immer, dass da ein Team ist, das in schwierigen Zeiten solidarisch funktioniert und über sich hinauswächst, und dass wir natürlich mit MOXIS ein Produkt haben, dessen Stärken sich in Zeiten erheblicher Kontaktbeschränkungen und Remote Work noch deutlicher zeigen. Die Erkenntnis, dass wir unsere Kunden gerade jetzt unterstützen konnten, war ein zusätzlicher Motivationsschub.


Die Corona-Krise hat die Unternehmen zum Umdenken gezwungen. Homeoffice ist da eines der Stichworte: Was vorher vielerorts nicht denkbar war, gehörte schnell zum selbstverständlichen Instrumentarium von Unternehmen jeder Größe. Ist das eine bleibende Qualität oder geht nach Ende der Corona-Krise alles wieder weiter wie davor?

Georg Lindsberger: Dass wir zum Status quo ante zurückkehren, halte ich für wenig wahrscheinlich. Die Krise hat einen Ausblick darauf gegeben, wie wir in Zukunft arbeiten können und wollen. Sie hat uns alle gezwungen, innovativer über die Zukunft der Arbeit nachzudenken. Das hat auch damit zu tun, dass die Folgen der Krise viel längerfristiger sind, als dies viele am Anfang vermutet hatten. Die Art und Weise, wie wir zukünftig zusammenarbeiten, wird sich nachhaltig ändern. Daran wird auch ein Impfstoff nichts ändern.


Sind elektronische Signaturen ein Schlüssel für diese neue Arbeitswelt?

Andreas Koller: Rein technisch betrachtet sind sie das ja schon länger. Aber es geht um mehr, nämlich die Darstellung von Verbindlichkeit auch über räumliche Distanz hinweg. Das konnten wir im Kontakt mit unseren Kunden an vielen kleinen Beispielen feststellen: Wo es früher eine Selbstverständlichkeit war, für Besprechungen persönliche Vor-Ort-Termine zu vereinbaren, nicht selten dafür ins Flugzeug zu steigen, hat nun ein Umdenken eingesetzt. Komplette Sales-Prozesse werden nun online dargestellt. Geschäftliche Reisen haben sich gegen null bewegt, während lieber die Frage gestellt wird: Welche Prozesse sind eigentlich noch sinnvoll? Auch die handschriftliche Signatur hat da doch einiges von ihrem Charme eingebüßt.

Georg Lindsberger: Durch die Kontakteinschränkungen wurde vor allem die unternehmensinterne Kommunikation auf die Probe gestellt: Die meisten Signaturen werden ja in internen Prozessen geleistet. Das wird schwer, wenn die Belegschaft auf viele einzelne Heimbüros verstreut wird. Gerade an diesem Punkt haben sich die Stärken elektronischer Signaturen idealtypisch gezeigt. Auch hier bin ich sicher, dass das einen nachhaltigen Lernprozess in Gang gesetzt hat.


Ist es nicht auch erstaunlich zu sehen, dass eine ausgereifte Technologie wie die digitale Unterschrift erst vor dem Hintergrund einer weltumspannenden Krise ihren Durchbruch und die volle Akzeptanz erfährt?

Georg Lindsberger: Überhaupt nicht. Zum einen haben viele unserer Kunden rechtzeitig im Voraus gehandelt und waren gut vorbereitet. Einzelne wieder hatten Glück, wie der private Bildungsträger ibis acam, der MOXIS zwei Wochen vor dem ersten Lockdown eingeführt hat und deshalb ohne Probleme auf flächendeckendes E-Learning umstellen konnte. Zum anderen muss man das auch realistisch sehen: Nachhaltige Veränderungen gehen meistens mit schmerzhaften Prozessen und anderen äußeren Einflüssen einher, wie zum Beispiel auch Gesetzesänderungen.


Das war sicher auch ein Grund für die XiTrust-Kampagne „Handlungsfähig bleiben“ zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr?

Andreas Koller: Sicher. Wir haben gesehen, dass viele Unternehmen von der Heftigkeit der Maßnahmen und ihrer Konsequenzen schlicht auf dem falschen Fuß erwischt worden waren. Weil es vielerorts überhaupt keine passenden Werkzeuge für flächendeckendes Home Office gab, hat dies in Einzelfällen sogar zu massiven Infektionszahlen innerhalb eines Unternehmens geführt. Ziel unserer Aktion war es, Interessenten für unsere Technologie so schnell wie möglich zu überbrücken und deren Handlungsfähigkeit zu sichern. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass richtungsweisende Entscheidungen in der Regel an rechtsgültige Signaturen gebunden sind. Und ja, die Krise hat sich als enormer Beschleuniger für die elektronische Signatur erwiesen.

Georg Lindsberger: Für mich war genauso wichtig zu erkennen, wie die politischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie den Weg für neue Arbeitsformen wie Home Office überhaupt erst geebnet haben. In dieser Verbreitung war das vorher undenkbar. Wenn man so will, gehört das zu den wenigen positiven Ergebnissen der Corona-Krise. Hinzu kommt: Wir haben in den letzten Jahren auch zukunftsweisende gesetzgeberische Maßnahmen gesehen, die Datenschutz und Datensicherheit in Europa nachhaltig gestärkt haben. Und damit wiederum die Akzeptanz der elektronischen Signatur befördert haben. 2020 hat auch Judikatur wie durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, dem sogenannten „Schrems II“ zu rechtlichen Veränderungen geführt.


Insgesamt lässt sich feststellen, dass Digitalisierung zu einem Zauberwort dieses herausfordernden Jahres gereift ist. Bei allen Vorteilen, die Sie ja schon skizziert haben, gibt es nicht wenige, wie zum Beispiel den Philosophen Richard David Precht, die sagen, dass mehr Digitalität auch Millionen Arbeitsplätze bedrohen könnte.

Andreas Koller: Niemand würde ernsthaft bestreiten, dass das Thema eine tiefe gesellschaftspolitische Dimension besitzt. Diese aber ist nicht eindimensional. Wenn man davon ausgeht, dass umfassende Digitalisierung Arbeitsplätze kosten wird, erhalten auch Debatten wie die um das bedingungslose Grundeinkommen eine ganz neue Frische. Gleichzeitig wird das Fundament für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Themenfeldern wie New Work gelegt: Wie lässt sich die Qualität der Arbeit verbessern, welche individuellen Bedürfnisse lassen sich durch ein neues Arbeitsverständnis besser verwirklichen? Eines wird sich auch in Zukunft nicht ändern: Menschen sehnen sich nach sozialen Kontakten, sie sind unveränderbar soziale Wesen. Eine intelligente Digitalisierung wird uns dabei unterstützen.