Netz des Erfolgs

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11 Jun 2019

Wie profitieren Unternehmen von der digitalen Transformation?
Ein Interview mit Unternehmensberater Herwig Springer, CEO i5invest.

Herr Springer, die weltweiten IT-Ausgaben werden für 2019 auf 3,76 Billionen US-Dollar geschätzt. Das ist eine Summe, die sich in ähnlichen Regionen bewegt wie der Staatshaushalt der USA. Wie verteilt sich dieser astronomische Betrag und was sind die wichtigsten Wegmarken für die IT der Zukunft?

Herwig Springer: Ein Großteil des Geldes wird für Mobiltelefone, PCs und lokale Rechenzentrumsinfrastrukturen bis hin zu Cloud-Services und Internet of Things (IoT)- Geräten ausgegeben. Die IT-Architektur der Zukunft gruppiert sich um die Themenkomplexe Recht, Sicherheit und vor allem Enterprise Collaboration, also Software- und Netzwerktools, die die interne Zusammenarbeit in Unternehmen unterstützen. Grundsätzlich gilt: Die Mitarbeiter stehen im Mittelpunkt, Ziel ist eine optimierte Unternehmenskommunikation.

Eine aktuelle Forrester-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Enterprise Communication-Tools nicht nur den Informationsfluss zwischen den Mitarbeitern massiv verbessern, sondern auch helfen, Hindernisse auf dem Weg zu einer stärkeren Kundenbindung abzubauen. Würden Sie dem zustimmen?

Unbedingt! Die gemeinsame Nutzung von Aktivitäten und Daten in einem weit verzweigten Netzwerk stellt sicher, dass die Unternehmen das Wissen, das sie erzeugen und die Daten, die sie produzieren, jederzeit in jeder Kombination abrufen können. Eine ganz wesentliche Antwort auf diese Fragen sind globale Allianzen von Unternehmen, die auf demselben Markt unterschiedliche Segmente abdecken. Eines der prominentesten Beispiele ist sicher die Partnerschaft zwischen Microsoft, Cisco und Slack. Hier bestätigt sich, was wir seit Jahren beobachten: Ein zeitgemäßes Unternehmen kennt keine Grenzen.

Wo sehen Sie die wichtigsten Benefits der Enterprise Collaboration?

Das ist ein sehr weites Feld, denn funktionierende EC-Tools bringen enorm viele und vielfältige Vorteile für Unternehmen und ihre Partner. Zu den wichtigsten zählen aber sicher die Zusammenführung verstreuter Teams, Schnelligkeit, mehr Flexibilität und Agilität – gerade auch bei kleineren Unternehmenseinheiten – und eine Steigerung der Produktivität des Personals.

Welche Rolle spielen IT-Security und Legal Compliance auf der digitalen Agenda der Unternehmen?

Diese Themen sind auf komplexe Weise miteinander verwoben. Unter der Headline Enterprise Security finden wir Produkte und Cloud-basierte Dienste, die Cyber-Bedrohungen und Angriffe auf Unternehmen erkennen, verhindern, schützen und in wirkungsvoller Weise darauf reagieren.

Woher weiß ich, welches Produkt sinnvoll für mein Unternehmen ist?

Bei der Entscheidung darüber, welches Produkt und welcher Dienst am besten passt, müssen zentrale Punkte geklärt sein: Das Verhältnis von Risiko, Resilienz, Benutzerfreundlichkeit und Preis sollte so ausgewogen wie möglich sein. Ziel sollte es immer sein, die größte Transparenz in allen Vorgängen zu gewinnen und diese dauerhaft darzustellen. Schließlich geht es darum, mehr Kontrolle über für das Kerngeschäft wesentliche Prozesse zu gewinnen.

Herwig Springer ist CEO der Unternehmensberatung i5invest. Er ist verantwortlich für Business Development, Corporate Development/M&A. Hier bringt er seine reiche Erfahrung in den Bereichen Deals, High-Tech Unternehmensbewertung, erneuerbare Energien, Unternehmensentwicklung und grenzüberschreitende M&A ein. Herwig Springer ist als Valuation-and-Deals-Experte seit 2005 in den Bereichen Corporate Finance sowie Deals Consulting tätig und berät eine Vielzahl von Mandanten vom österreichischen Mittelstand bis hin zu multinationalen Konzernen. Herwig studierte an der Wirtschaftsuniversität Wien, hat in Zusammenarbeit mit der Copenhagen Business School einen CEMS-Master-Abschluss in Internationalem Management. Darüber hinaus trägt er die Bezeichnung Chartered Financial Analyst® und ist Autor verschiedener Publikationen in der Wirtschaftsliteratur.


Man kann zuweilen den Eindruck gewinnen, dass IT-Sicherheit über allem anderen steht. Woran liegt das?

Das liegt auch am Datenschutzrecht. Hier sind Unternehmen gut beraten, im Rechts- und Regulierungsumfeld immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Schon ein einziger Verstoß gegen eine entsprechende Verordnung – hier mag die DSGVO als Beispiel genannt sein – kann zu massiven Verlusten und Reputationsschäden führen. Wir beobachten, dass eine sich dynamisch anpassende Rechtslage oft die Initialzündung ist, die Investitionen in Sicherheitsthemen überhaupt erst auf den Weg bringt.

Muss das Bewusstsein für den Schutz sensibler Daten auch jenseits gesetzlicher Verordnungen noch stärker in den Mittelpunkt gerückt werden?

Man muss sich klar machen, dass Daten heute einen Vermögenswert darstellen und deshalb auch so zu behandeln sind. Zugleich sind sie auch eine potenzielle Verbindlichkeit. Die Schadensliste durch mangelnde IT-Sicherheit ist mittlerweile sehr lang.

An welche Beispiele denken Sie da besonders?

Nehmen wir den Fall Equifax. Der Finanzdienstleister mit einen Jahresumsatz von 2,6 Milliarden US-Dollar wurde 2017 Opfer eines gigantischen Datendiebstahls. Über Monate hinweg verschafften sich Hacker Zugriff auf die Daten von 143 Millionen Kunden, darunter 300.000 Kreditkartennummern. Einfallstor war eine Sicherheitslücke in einer Anwendungssoftware, die in den Internetauftritt des Unternehmen eingebunden war. Nicht minder drastisch waren die Folgen eines Sicherheits-Lecks bei Maersk. Das Unternehmen wurde 2017 Opfer der globalen „Petya“ Cyberangriffe. Den Schaden bezifferte Maersk mit 200 bis 300 Millionen US Dollar.

Was empfehlen Sie?

Supplier Relationship Manager sollten das Momentum nutzen, um sich viel stärker auf das zu konzentrieren, was in der Sicherheitsabteilung vor sich geht. Hier gilt es, die Sicherheitsstrategie intelligent mit Geschäftsinitativen zu verknüpfen.

Nicht selten sind Unternehmen bei der Wahl der passenden IT-Sicherheitsstrategie überfordert…

Kein Wunder. Die unternehmenseigen IT wird unter der Wartungslast von Legacy-Sicherheitslösungen zuweilen regelrecht begraben. Cloud-basierte Sicherheitsprodukte sind vergleichsweise agiler und können neue Erkennungsmethoden- und Dienste wesentlich schneller implementieren, als „hausgemachte“ Lösungen vor Ort.

Fast jedes Technologieunternehmen betreibt ein Partnerprogramm oder eine Reihe von Initativen, die darauf abzielen, sich mit Branchenpartnern zu vernetzen. Warum ist das so wichtig?

Diese Partnerprogramme sind im Allgemeinen darauf ausgerichtet, die Integration mit komplementären Technologieanbietern zu unterstützen, deren Produkte und Dienstleitungen mit der jeweiligen IT-Plattform zu integrieren und harmonisieren.

Kritiker sehen in diesem Trend oft nur einen Selbstzweck. Was entgegnen Sie denen?

Partnerprogramme sind alles andere als Selbstzweck: Sie dienen dazu, die Erwartungen der Bestandskunden zu erfüllen und gemeinsam neue Kunden zu erschließen. IT-Entscheider suchen bei der Lösung für einzelne Themen längst nicht mehr nach einem einzigen Tool das „alles kann“. Gerade hier können Allianzen zwischen Technologieanbietern der Schlüssel zum Erfolg sein. Eine IDG-Studie bestätigt dies: 90 % der IT-Entscheider arbeiten mittlerweile mit Anbietern zuammen, die Teil einer Partnerschaft sind. Bleibt am Ende wieder einmal festzuhalten: Auf Kunden wie auf Anbieterseite ist gelungenes Networking das Modell der Zukunft!

Herr Springer, vielen Dank für das Gespräch!