Serie: Kulturgeschichte der Signatur – Teil 1

Serie: Kulturgeschichte der Signatur – Teil 1
16 Jul 2019

Die Unterschrift – ihre Geschichte, ihr kultureller Stellenwert und ihre Bedeutung im digitalen Zeitalter: freuen Sie sich auf einen kleinen kulturhistorischen Exkurs rund um die Signatur in unserer vierteiligen Serie.

Vorbemerkung


Wer das erste Mal mit elektronischen Signaturen in Berührung kommt, fragt sich meistens, ob die elektronische Signatur denn wirklich so viel gilt wie die handschriftliche. Diese auch im Jahre drei nach der eIDAS-Verordnung manchmal noch etwas bang vorgetragene Frage deutet es an: Die Geschichte der Unterschrift ist ein wichtiges Kapitel der Rechtshistorie. Sie ist aber noch viel mehr: In ihr spiegelt sich nicht weniger als die Entwicklung Europas in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Darum geht es in unserer Serie zur Kulturgeschichte der Signatur.

Im Zeitalter der elektronischen Signatur haben wir die Wahl: Weiterhin analog zu signieren oder digitale Technik zu nutzen. Für größere Unternehmen, die ihren Schriftverkehr digitalisieren wie viele andere Geschäftsbereiche auch, ist die auf einem persönlichem Zertifikat basierende, qualifizierte elektronische Signatur alternativlos. Was sich so schnell nicht ändern wird, ist die Aura von Echtheit und Identität durch Signaturen und Schriftzeichen im Allgemeinen. Das haben handschriftliche Signaturen mit ihrem elektronischen Pendant gemeinsam. Deshalb zeigt unsere Serie vor allem dies: Welchen kulturellen Stellenwert Signaturen besitzen – unabhängig davon, ob sie in Gestalt von Pixeln oder Tinte in Erscheinung treten.

Teil 1 – Geschichte


Der Hanse-Kaufmann Georg Gisze auf einem Gemälde von Hans Holbein dem JüngerenDie Erfolgsgeschichte der Unterschrift ab dem 15. Jahrhundert ist untrennbar verknüpft mit dem aufblühenden Kaufmannswesen in Europa. Kaufleute griffen immer öfter zur Feder, um eine Signatur zu leisten – angesichts der wachsenden Zahl von Kauf- und Handelsverträgen eine durchaus zeitsparende, pragmatische Methode der rechtsverbindlichen Absichtserklärung. Unter Verträge setzten sie mit spitzer Feder ihr Zeichen oder ihren ausgeschriebenen Namen.

Die Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit ist geprägt von rasant wachsendem Welthandel. Neue Märkte entstanden, größere Distanzen konnten in immer weniger Zeit überwunden werden. Mobilität spielt bei der Verbreitung der Signatur damit eine Schlüsselrolle. Das zeigt sich auch in der Kunst. Denn spätestens ab dem „goldenen Zeitalter“ in der europäischen Malerei entstand im 17. Jahrhundert ein europaweiter Kunstmarkt. Da die Künstler nun nicht mehr zwingend die Käufer ihrer Werke persönlich kennenlernten, setzte sich die Signatur von Werken endgültig als Echtheitsbeweis durch und wurde zum Standard. Ein weiterer zentraler Schlüssel zur Verbreitung der handschriftlichen Signatur ist die Bildung: Immer mehr Menschen lernten schreiben und waren dadurch überhaupt erst in der Lage, mit ihrem Namen Unterschriften zu leisten.

Damit erzählt die Geschichte der Unterschrift von der Ökonomisierung der Welt, der Bildung und ja, wenn man so will, von den Ursprüngen der Globalisierung. Die Signatur breitete sich in alle Lebensbereiche aus. Nicht nur Künstler begannen ihre Werke grundsätzlich zu signieren, Staaten regelten ihr Miteinander per Unterschrift unter Vertragswerke, Arbeitsverhältnisse wurden festgeschrieben, Handelsverträge besiegelt. Die Unterschrift wurde zur weltumspannenden Kulturtechnik und zum Synonym für Echtheit. Sie bildete damit die gesellschaftsrechtliche Grundlage allen Gemeinwesens.