Handy-Signatur in Österreich

Handy-Signatur in Österreich
15 Mrz 2013

Aus der Not eine Tugend machen, so kann man vielleicht das Erfolgsmodell der elektronischen Unterschrift mit dem Handy (Handy-Signatur) umschreiben. Dabei war es eine Art Notlösung, als die kostenpflichtige Signaturlösung Bürgerkarte in Österreich wenig Begeisterung auslöste.

handy-signatur-leicht-gemacht

Jetzt zieht das Bundeskanzleramt (BKA) eine Zwischenbilanz: Bislang sind knapp 140.000 Handy-Signaturen aktiviert. Von anfänglich 100 Neuanmeldungen zur Handy-Signatur ist die Zahl inzwischen auf ca 12.000 neue Registrierungen pro Monat gestiegen. Verantwortlich dafür sind die verstärkten Marketingaktivitäten der Plattform Digitales Österreich und ihrer Kooperationspartner aus der Verwaltung und Wirtschaft sowie die deutliche Ausweitung der Freischaltemöglichkeiten.

Der Erfolg der Handy-Signatur kommt aber nicht von ungefähr. Er beruht auf dem Verständnis der Verantwortlichen, dass für jedes Produkt Marketing betrieben werden muss und das ein Service nur dann von den Nutzern angenommen wird wenn dafür ständig neue Anwendungen entwickelt werden.

Laut Bundeskanzleramt sind gegenwärtig mehr aktive Handy-Signaturen als jemals aktivierte eCards mit Bürgerkartenfunktion im Einsatz. Diese Entwicklung bestärkt das Bundeskanzleramt die Marketing- und Informationsaktivitäten der Plattform Digitales Österreich gemeinsam mit den Kooperationspartnern aus Verwaltung und Wirtschaft fortzuführen und die Freischaltemöglichkeiten durch vermehrte Schulungen von Registration Officers ( ROs) weiter auszubauen. Die Wiener Stadtverwaltung bietet seit 1. März an den Standorten der magistratischen Bezirksämter Registrierungsstellen zur Aktivierung der Handy-Signatur an und setzt so ein Zeichen für die Bedeutung von E-Government in einer modernen Stadtverwaltung.

Marketing für eGovernment und Handy-Signatur

Zu Jahresbeginn führte das Bundeskanzleramt eine breit angelegte Info-Kampagne zur Handy-Signatur durch, bei der sämtliche österreichischen Gemeinden mit Handy-Signatur-Foldern beschickt wurden. Im Anschreiben wies Staatssekretär Dr. Josef Ostermayer auf die Rolle der Handy-Signatur im Rahmen des in Begutachtung befindlichen Demokratiepaketes hin.
streamlineEbenso wurden in dieser Info-Kampagne zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten für Bürger gezeigt und das Einsparungspotenzial für die Gemeinden in diesem Zusammenhang dargelegt. Ein sehr gutes Beispiel für die Einsparungspotentiale sind unter anderem die Wahlkarten bei Nationalratswahlen. Im Fall einer postalischen Versendung an die Antragsteller muss dies grundsätzlich mittels eingeschriebener Briefsendung erfolgen, was zu beträchtlichen Postgebühren führt. Wird der Antrag auf Ausstellung einer Wahlkarte jedoch online mit Handy-Signatur gestellt, kann die Wahlkarte mit einem einfachen Schreiben versendet werden. Der Versand als Standardpostsendung bedeutet eine Erleichterung für die Bürger, die sich den oft mühsamen und zeitintensiven Weg zur Post ersparen, um das Einschreiben selbst abzuholen. Gleichzeitig profitieren die Städte und Gemeinden von der Antragstellung mittels Handy-Signatur oder Bürgerkarte. Durch den standardmäßigen Versand werden hohe Einsparungen bei den Portokosten ermöglicht.

Mit Handy-Signatur zu mehr Bürgerbeteiligung

Das in Begutachtung befindliche Demokratiepaket sieht vor den Bürger verstärkt in den parlamentarischen Prozess einzubeziehen. So schlagen die Koalitionsparteien vor, eine Unterstützung von Volksbegehren und Bürgerinitiativen auf elektronischem Weg zu ermöglichen, regelmäßige Bürger-Fragestunden im Nationalrat abzuhalten und die parlamentarische Behandlung von Volksbegehren aufzuwerten.
Im Konkreten sieht die vorgelegte Gesetzesinitiative vor zukünftig viermal jährlich so genannte Bürger Fragestunden im Nationalrat abzuhalten. Bürger sind aufgefordert, konkrete Anfragen an ein Mitglied der Bundesregierung zu formulieren, welche infolge auf der Website des Parlaments veröffentlicht werden. Dabei sind allerdings gewisse Kriterien einzuhalten, so dürfen die Anfragen nicht den Datenschutz verletzen und keine beleidigenden Äußerungen enthalten. Eine Woche lang können die Anfragen laut Gesetzentwurf elektronisch unterstützt werden bei mehr als 10.000 Votings ist eine Beantwortung des zuständigen Regierungsmitglieds innerhalb von zwei Monaten verpflichtend. Die sieben am meisten unterstützten Bürgeranfragen gelangen in der nächsten Bürger Fragestunde zum Aufruf. Voraussetzung für die Unterstützung einer Bürgeranfrage ist eine eindeutige Identifikation durch die Verwendung der Bürgerkarte (aktivierte ecard, Handy-Signatur, etc.)
Gleiches gilt auch für die künftig mögliche elektronische Unterstützung von Volksbegehren und von Bürgerinitiativen. Damit sollen doppelte Unterstützungserklärungen durch Wahlberechtigte ausgeschlossen und die Authentizität der Stimmabgabe bestätigt werden.

Ausbildungsinitiative zum Registration Officer (RO)

archivierung-mit-signaturZur schnellen Verbreitung der Handy-Signatur haben sicherlich auch die unterschiedlichen Möglichkeiten diese zu aktivieren beigetragen. Eine vom Bundeskanzleramt 2012 begonnene Initiative zur Vor-Ort-Ausbildung von Registrierungsbeauftragten ist auf großes Interesse gestoßen und wird 2013 fortgesetzt. Nach absolvierter Schulung kann der ausgebildete Registration Officer (RO) in der Gemeindestube, im Stadtamt (auch in Unternehmen), etc. meist ist die Registrierungsstelle im Bürgerservice angesiedelt sofort Handy-Signaturen aktivieren. Alles was behördenseitig dazu benötigt wird, ist ein PC mit Internetzugang sowie ein Handy, das SMS empfangen kann.
Um das große Interesse abdecken zu können, bietet das Bundeskanzleramt auch RO-Trainer-Schulungen an. Die RO-Trainer können dann anschließend in ihrer Region weitere Schulungen für RO abhalten und so ihr erworbenes Wissen zur Freischaltung der Handy-Signatur an weitere Mitarbeiter aus Städten und Gemeinden weitergeben.

In Österreich gibt es vier unterschiedliche Wege zur kostenlosen Handy-Signatur:

  1. Die Aktivierung des Mobiltelefons zur Bürgerkarte kann sehr rasch mithilfe einer bestehenden Bürgerkarte (aktivierte eCard) oder eines aktivierten Mobiltelefons über www.Handy-Signatur.at erfolgen.
  2. Eine weitere Möglichkeit der Aktivierung besteht darin, dass der Bürger mit seinen herkömmlichen Login-Daten bei FinanzOnline einsteigen und dort die Schaltfläche Handy-Signatur aktivieren betätigen. Dieser Teil des Aktivierungsprozesses ist in wenigen Minuten erledigt. Etwa zwei Tage später erhält der Bürger per (normaler) Papierpost einen Aktivierungscode, mit dem der Aktivierungsvorgang abgeschlossen wird.
  3. Ebenso kann die Handy-Signatur auch bequem durch den Bürger online über www.sendstation.at selbst aktiviert werden. Alles was dazu benötigt wird, ist ein Online-Banking-Zugang zu einem Konto, über welches der Antragsteller alleine verfügt.
  4. Persönliche Vor-Ort Registrierung bei einer der Registrierungsstellen. Die Handy-Signatur kann mittlerweile österreichweit in allen Finanzämtern, bei vielen Gemeindeämtern und Unternehmen kostenlos aktiviert werden. Auf der Website von A-Trust gibt es die aktuelle Liste der Registrierungsstellen. Auch kann eine Registrierung durch den RO im eigenem Unternehmen durchgeführt werden.

Zusammengefasst stellt die Handy-Signatur, sowohl was die Registrierung als auch die Endanwendung betrifft, einen sehr einfachen Weg dar, um zeitgemäß elektronisch unterschreiben zu können. Dies ermöglicht es endlich nun auch Unternehmen aus der Privatwirtschaft sich Gedanken darüber zu machen, wo noch bestehende Medienbrüche in Geschäftsprozessen, bei welchen seitens des Endanwenders eine Unterschriftlichkeit notwendig war, beseitigt werden können.
XiTrust unterstützt Unternehmen bei der Integration dieser Handy-Signatur, sowohl in interne Prozesse, als auch Prozesse zu den Endkunden. Wir freuen uns damit der medienbruchfreien Prozesslandschaft wieder einen großen Schritt näher gerückt zu sein.
Aktuelle Zahlen zur Handy-Signatur Aktivierung lesen sie hier.


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