Der Salzburg-Fluch und die Cleverness

Der Salzburg-Fluch und die Cleverness
26 Aug 2016

Es war angerichtet in Wals-Siezenheim. Selten standen die Vorzeichen so gut: weniger Erwartungsdruck im Vergleich zu den Jahren davor, erstmals das entscheidende Rückspiel im eigenen Stadion, dazu mit Dinamo Zagreb ein Gegner, mit dem man sowohl aus Salzburger als auch aus gesamtösterreichischer Sicht in der jüngeren Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht hat. Ein Gegner, der sich im Hinspiel als stark, aber machbar präsentiert hat. Und ein 1:1 als passable Basis fürs Weiterkommen. Der Ausgang ist bekannt. Hier ein kleiner Rückblick samt Analyse.

Und wieder nichts. Red Bull Salzburg und die Champions League – mittlerweile ist es schwer, nicht von einem Fluch zu sprechen. Die Bullen haben es auch beim neunten Versuch nicht geschafft, in die so prestigeträchtige und lukrative Königsklasse des Clubfußballs einzuziehen. Dass man diesmal gegen Dinamo Zagreb so kurz davor war wie noch nie, wird wohl kaum jemandem ein Trost sein. Zwar fiel der entscheidende Treffer im Duell gegen Schachtar Donezk vor neun Jahren ebenfalls erst in der 87. Minute, damals war damit allerdings das Ausscheiden besiegelt, ohne dass es noch in eine Verlängerung ging. Knapp daneben ist halt bekanntlich leider auch vorbei.


Unfairer Fußball?

Warum hat es aber trotz einer über weite Strecken starken Leistung im Rückspiel schon wieder nicht gereicht für die Salzburger? Nun, der leidgeprüfte österreichische Fußballfan tut sich nicht besonders schwer im Ausreden suchen. „Wia hom oba a afoch ka Glück ghobt.“ Stimmt, dass da Einiges an Pech dabei war, kann auch ein objektiver Beobachter nicht leugnen. “Der Fußball war unfair zu uns”, drückte es Salzburg-Trainer Oscar Garcia ein bisschen philosophischer aus.

Ein unglücklich abgefälschter Schuss zum 1:1 drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit, und das nachdem Zagreb bis dorthin eine einzige wirklich gefährliche Torchance hatte. Nach einer guten Stunde keine Austauschmöglichkeit mehr, weil man zu diesem Zeitpunkt schon dreimal verletzungsbedingt zum Wechseln gezwungen war. Ein Umstand, der bei einem Spiel mit Potential für Verlängerung und Elfmeterschießen besonders schwer wiegt.

Und natürlich der glasklare Handelfmeter, der Salzburg in der 62. Minute vom schottischen Schiedsrichtergespann vorenthalten wurde. Womöglich die spielentscheidende Szene.
Kleines Rechenspiel dazu gefällig? Der Salzburg-Goalgetter Jonny Soriano ist ein sehr sicherer Elfmeterschütze mit einer Trefferquote von ca. 85%. Wenn Salzburg in dieser Phase das 2:0 gelingt, ist die Sache so gut wie gelaufen. Man kann die Chance auf den Aufstieg dann sicher mit 95% beziffern. Kombiniert man diese beiden Werte, so stehen Salzburgs Chancen auf den Einzug in die Champions League bei knapp 81%, wenn sie den fälligen Elfmeter zugesprochen bekommen hätten.

Nur sah es für die Salzburger ja auch so nicht allzu schlecht aus. Schwer zu sagen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für den Aufstieg zum Zeitpunkt der Elfmeterszene war, vielleicht irgendwo zwischen 65 und 70%. Das heißt, basierend auf diesen Zahlen hätte ein Elfmeterpfiff in besagter Situation Salzburgs Chancen um maximal ein Viertel steigen lassen. Eigentlich gar nicht so viel.


Dummheit vs. Cleverness

Pech allein war es also nicht. „Wir waren wieder einmal einfach zu dumm“, so die erste Analyse von Valentino Lazaro, der nach seinem Traumtor zum 1:0 das Ende des Spiels von der Bank aus mitansehen musste. Ganz so hart muss man mit den Salzburg-Spielern vielleicht nicht ins Gericht gehen, nennen wir es mangelnde Abgebrühtheit oder fehlende Cleverness.
Die Cleverness einer Mannschaft, einen Vorsprung über die Zeit zu spielen, vor allem wenn der Gegner weit davon entfernt ist, einen selbst zu einer Abwehrschlacht zu zwingen. Die Cleverness einer Mannschaft, sich nicht komplett kaputtzulaufen und das Spiel trotzdem ähnlich zu gestalten. Die Cleverness von Valon Berisha, der in der 80. Minute bei seiner Riesenchance den Ball lupfen hätte können, über Zagreb-Keeper Eduardo, der immer viel zu früh zu Boden geht. Oder die Cleverness von Bernardo im Hinspiel, als er im eigenen Strafraum den Fuß gegen einen Gegenspieler stehenlässt, der sich den Ball Richtung Cornerfahne vorlegt.

Aber auch die Cleverness von Trainer Oscar Garcia, einen offensichtlich nicht zu 100% fitten Jonatan Soriano zu Beginn auf der Bank zu lassen. Wozu hat man eigentlich Munas Dabbur, den Torschützenkönig der Schweizer Liga, geholt? Okay, Soriano hat gewissermaßen das 1:0 von Lazaro vorbereitet, auch wenn sein Querpass entlang der Mittellinie sicher nicht in die Liste seiner größten fußballerischen Leistungen aufgenommen werden wird. Sonst war der Spanier aber nur ein Schatten seiner selbst und er wäre auch mit Sicherheit ausgetauscht worden, wenn man denn halt noch wechseln hätte können.
Dass das nicht mehr möglich war, davon konnte man im Vorhinein wirklich nicht ausgehen. Trotzdem war abzusehen, dass es bei Soriano wohl nur maximal für eine Stunde lang reichen wird. Und dann einen gezwungenen Wechsel in Kauf zu nehmen, wenn eventuell eine Verlängerung droht und dann physisch und taktisch sowieso Handlungsbedarf besteht, muss auch nicht unbedingt sein.

So bleibt Red Bull Salzburg wieder einmal nur der Trostpreis Europa League. Statt FC Barcelona, Real Madrid, Bayern München oder Paris Saint-Germain heißen die Gegner nun immerhin Schalke 04, FK Krasnodar und OCG Nizza. Mit der Aussicht, dass man sich mit ähnlich starken Leistungen berechtigte Hoffnungen auf ein europäisches Überwintern machen darf.


Cleverness im Geschäftsleben

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